Ehrenvorsitzende nach 20 Jahren an der Spitze

Festakt zum Abschied von Hille Gosejacob-Rolf am 30. März 2007 in Jena

Über einhundert Menschen ziehen durch die Innenstadt Jenas. Es fehlen bunte Transparente, sonst könnte man sie gleich als Gewerkschaftler erkennen, wenn auch als sehr feierlich gekleidete. Sie sind auf dem Weg zum historischen Rathaus der Stadt, um dort ihre Verbundenheit mit der gerade verabschiedeten Vorsitzenden des DBSH, Hille Gosejacob-Rolf, zu zeigen. Und die schreitet, wie es so ihre Art ist, voran. Oder, wie es ein Teilnehmer sagt: „Am besten wir laufen hinter Hille her, die weiß, wo es lang geht.“

Nicht nur die Delegierten und Teilnehmer der Bundesmitgliederversammlung des DBSH sind zum feierlichen Empfang gekommen. Tom Johannesen ist erschienen, der Geschäftsführer des IFSW, des Internationalen Verbandes der Sozialarbeiter, so wie Prof. Ulrich Bartosch, Vorsitzender des Fachbereichtages Soziale Arbeit, oder Brigitte Triems, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrates. Für den dbb beamtenbund und tarifunion nahm u. a. Hartmut Schaefer, der stellvertretende Landesvorsitzende des dbb beamtenund und tarifunion Sachsen-Anhalt an der Veranstaltung teil.

Der neue Bundesvorsitzende des DBSH, Michael Leinenbach, begrüßte die Gäste auf das herzlichste. Zusammen mit seiner Stellvertreterin Gabriele Stark-Angermeier führte er durch das reichhaltige Programm, wollte doch fast jeder der Anwesenden der ehemaligen Vorsitzenden die besten Wünsche auf den Weg geben. Doch zunächst hatte die Musik das „Wort“. Zum Auftakt wie auch zur weiteren Untermalung spielten SchülerInnen der Musik- und Kunstschule Jena.

Stehende Ovationen und Zeichen der Rührung gab es anlässlich der Ernennung von Hille Gosejacob-Rolf zur Ehrenvorsitzenden des DBSH e.V.

Ein besonderes Geschenk konnte Adriane Feustel vom Alice-Salomon-Archiv überreichen. Sie präsentierte Auszüge eines schlichten Fotoalbums aus den Anfängen des letzen Jahrhunderts. Es war Alice Salomon gewidmet, die als Begründerin der professionellen Sozialen Arbeit gezählt werden kann, und war ein Geschenk zum 30-jährigen Bestehen der von ihr gegründeten Schule. 40 Bilder auf 18 Bögen erzählen von den ersten 30 Jahren der Sozialarbeitsgeschichte. Und sie machen deutlich, wie aktuell die damaligen Ausbildungswege waren: Praxis und Theorie waren mit einander verwoben, von der Schule gingen deutliche Akzente für die Wohlfahrtspflege aus.

Im anschließenden Vortrag beschrieben Lisa Schmieder und Frank Mattioli-Danker den Weg des Berufsverbandes von den Anfängen im Jahre 1893 bis heute. Sie konnten zeigen, dass die Soziale Arbeit und ihre verbandliche Organisation in einer lückenlosen Tradition mit der damaligen Auffassung stehen. Insbesondere die Grundprinzipien von 1916 finden sich im heutigen Grundsatzprogramm des DBSH wieder.

Und so näherte sich das Programm langsam der eigentlichen Jubilarin. Was wäre eine Ehrung ohne die ganz persönlichen Geschichten und Geschichtchen. Die hätte Hille Gosejacob-Rolf natürlich auch selbst erzählen können, denn sie ist eine begnadete Erzählerin, aber an dieser Stelle kamen langjährige Weggefährten zu Wort: Dorothea Götsch-Ulmer, die mit ihr lange Jahren im Vorstand war, und Rolf Schneider, der sie vor etlichen Jahren während ihrer ersten Tätigkeit als Sozialarbeiterin kennen lernte und später mit ihr den Berufsverband führte

Sie machten den Gästen deutlich was der Verband verliert: „Eine streitbare Vorsitzende, die nie nachtragend ist; die auch nach einer Marathonsitzung von 10 Stunden noch mal eben einige Punkte klären möchte, um dann an der Bar noch einen höchstens zwei Baileys mit drei Stück Eis bestellt. Dann kann die Diskussion gern einige Stunden länger dauern.“

Ihre wesentliche und alles zusammenfassende Beschreibung von Hille Gosejacob-Rolf: Ohne Autonomie im Denken und ohne Mut im Handeln gibt es keine kreative Leistung. Und ihre Leistung hat sie immer wieder an allen Stellen erbracht, an denen sie tätig war und damit Veränderungen auf den Weg gebracht. Oft hat sie sich weit aus dem Fenster gelehnt, um etwas für die zu erreichen, die in ihrer Einrichtung lebten oder in ihrem Verband waren.

Folgerichtig erreichte die Feier nach diesen Worten ihren Höhepunkt. Hille Gosejacob-Rolf erhielt aus den Händen von Michael Leinenbach die Urkunde, die sie zur ersten Ehrenvorsitzenden des DBSH machte. Diese Ehre war ihr am Tage zuvor von der Bundesmitgliederversammlung angetragen worden.

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