Deutsche Fassung

Abgestimmte deutsche Übersetzung des DBSH mit dem Fachbereichstag Sozialer Arbeit

Präambel zur deutschsprachigen Definition Sozialer Arbeit

Die Internationale Definition von Sozialer Arbeit der IFSW aus dem Jahr 2014 bildet die gemeinsame Grundlage der Disziplin und Profession weltweit. Die langjährig und intensiv verhandelte Definition zeichnet das Verdienst aus, die unterschiedlichsten Konzepte und Praxen Sozialer Arbeit unter einem gemeinsamen Verständnis zu vereinigen. Sie beruht auf ganz unterschiedlichen Verständnissen der Mitgliedsorganisationen aus 116 Staaten (Stand: September 2016). Die auf Kompromissen beruhende englischsprachige Definition steht in Praxis vor der Herausforderung, in ihrer Gesamtheit sehr divergenten Grundverständnissen über Ziele und Aufgaben Sozialer Arbeit, ihren jeweilig unterschiedlichen historischen Entwicklungen und Ansprüchen gerecht zu werden.

Wie bei international geltenden Vereinbarungen üblich, bestehen Fragen der Übersetzung, da die Terminologie der englischen Definition häufiger entweder keine exakte Entsprechung in der jeweiligen Landessprache oder keine vergleichbare Entsprechung in der Theorie Sozialer Arbeit haben oder das benannte Thema in der Praxis keine oder keine so gewichtige Rolle spielt.

Um der Situation Sozialer Arbeit in den deutschsprachigen Ländern gerecht zu werden, wird von der Option der englischsprachen Definition Gebrauch gemacht, weitere Ausführungen zur Definition zu machen, um dem praktischen Kontext, den spezifischen Rahmenbedingungen und den zugrundeliegenden Verständnissen Sozialer Arbeit gerecht zu werden. Zur Klarstellung wird auch in Fußnoten die Kommentierung der IFSW zur Definition herangezogen. Dabei gelten für die herangezogene Kommentierung der Definition die obigen Anmerkungen auch zur verwendeten deutschen Übersetzung dieser Kommentierung, so dass einzelne Begriffe, die im nationalen Kontext möglicherweise kritisch gesehen werden, im internationalen Gebrauch jedoch üblich sind, beibehalten werden.

Da die verabschiedete englischsprachige Definition aus Gründen der Einheitlichkeit, der Solidarität und der Kooperation nicht verändert werden soll, bleibt das sogenannte indigene Wissen in der deutschsprachigen Version der Definition erhalten und wird kommentiert. Währenddessen wird der Begriff der Befreiung dem Sinn und Zweck des Terminus voll entsprechend in der hier übertragenen Form als Selbstbestimmung der Menschen formuliert.

Deutschsprachige Definition Sozialer Arbeit

Soziale Arbeit fördert als praxisorientierte [1] Profession und wissenschaftliche Disziplin gesellschaftliche Veränderungen, soziale Entwicklungen und den sozialen Zusammenhalt sowie die Stärkung der Autonomie und Selbstbestimmung [2] von Menschen. Die Prinzipien sozialer Gerechtigkeit, die Menschenrechte, die gemeinsame Verantwortung und die Achtung der Vielfalt [3] bilden die Grundlage der Sozialen Arbeit. Dabei stützt sie sich auf Theorien der Sozialen Arbeit [4], der Human- und Sozialwissenschaften und auf indigenes Wissen [5]. Soziale Arbeit befähigt und ermutigt Menschen so, dass sie die Herausforderungen des Lebens bewältigen und das Wohlergehen verbessern, dabei bindet sie Strukturen ein [6].

Diese Definition kann auf nationaler und/oder regionaler Ebene weiter ausgeführt werden.

 

[1] im deutschen Verständnis als handlungsorientierte Profession

[2] der in der Global Definition genannte Begriff liberation, der in der deutschen Sprache als „Befreiung“ übersetzt wird, wird in der deutschen Fassung im übertragenen Sinn als „Selbstbestimmung von Menschen“ nach Einigung mit dem Fachbereichstag übersetzt. Es gelten auch die in Fußnote 5 aufgezeigten historischen Kontexte.

[3] Der Begriff der Vielfalt umfasst auch Heterogenität

[4] Was auch empirisches Wissen beinhaltet

[5] Das in der englischen Definition angeführte indigenous knowledge wird mit Verweis auf die vom IFSW verabschiedeten Kommentierung der Definition als international geltende Positionierung aus Gründen der Solidarität beibehalten: „Mit der vorliegenden Definition wird bekräftigt, dass der Sozialen Arbeit nicht nur spezifische Praxiserfahrungen und westliche Theorien zugrunde liegen, sondern dass sie auch von indigenem Wissen beeinflusst wird. Ein Teil des Kolonialerbes ist, dass allein westliche Theorien und westliches Wissen als wertvoll eingestuft und indigenes Wissen abgewertet, abgetan und von westlichen Theorien und westlichem Wissen unterworfen wurde. Mit der vorliegenden Definition soll dieser Prozess gestoppt und umgekehrt werden, indem anerkannt wird, dass indigene Völker in jeder Region, in jedem Land und in jedem Gebiet ihre eigenen Werte, ihre eigene Art des Verständnisses und ihre eigene Art der Weitergabe ihres Wissens haben und einen unschätzbaren Beitrag zur Wissenschaft geleistet haben. Soziale Arbeit zielt auf eine Überwindung des historischen westlichen Kolonialismus und der westlichen Hegemonie im Bereich der Wissenschaft ab, indem man den indigenen Völkern auf der ganzen Welt zuhört und von ihnen lernt. Auf diese Weise werden die Kenntnisse im Bereich der Sozialen Arbeit von indigenen Völkern mit erarbeitet und beeinflusst und nicht nur im lokalen Umfeld, sondern auch auf internationaler Ebene adäquater angewandt“ (www.dbsh.de/fileadmin/downloads/2014_DBSH_Dt_ %C3%9Cbersetzung_Kommentar_Def_SozArbeit_02.pdf S. 3). Darüber hinaus wird in Verstärkung und Erweiterung der englischsprachigen Definition auf Bezüge im deutschsprachigen Raum betont, dass sich Soziale Arbeit auch auf reflektiertes Erfahrungswissen beruflich-biografischer Praxen und kulturelles Kontextwissen stützt, wie es auch in der Kommentierung der englischsprachigen Definition ausgeführt wird: „Ein solcher Ansatz kann eine konstruktive Auseinandersetzung und den Wandel erleichtern, wenn bestimmte kulturelle Überzeugungen, Werte und Traditionen die grundlegenden Menschenrechte verletzen. Da Kultur ein gesellschaftliches Konstrukt und dynamisch ist, unterliegt sie Dekonstruktion und Veränderungen. Eine solche konstruktive Auseinandersetzung, Dekonstruktion und Veränderung kann durch die Beschäftigung mit spezifischen kulturellen Werten, Überzeugungen und Traditionen und durch das Verstehen selbiger sowie durch einen kritischen und reflektierenden Dialog mit Angehörigen der jeweiligen Kulturgruppe über allgemeine Menschenrechtsfragen erleichtert werden“ (www.dbsh.de/fileadmin/downloads/2014_DBSH_Dt_ %C3%9Cbersetzung_Kommentar_Def_SozArbeit_02.pdf S. 3).

[6] Ausdrücklich wird unter Verweis auf die Kommentierung die Legitimität und Begründung Sozialer Arbeit hervorgehoben, dass sie dort eingreift, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. „Soziale Arbeit legitimiert und begründet sich dadurch, dass sie dort eingreift, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. Die Umwelt umfasst die verschiedenen sozialen Systeme, in denen die Menschen leben, sowie die natürliche, geographische Umwelt, die starken Einfluss auf das Leben der Menschen hat. Der im Rahmen der sozialen Arbeit vertretene partizipatorische Ansatz spiegelt sich darin wider, dass „Menschen und Strukturen eingebunden [werden], um existenzielle Herausforderungen zu bewältigen und das Wohlergehen zu verbessern“. Bei der Sozialen Arbeit wird soweit wie möglich mit anstatt für Menschen gearbeitet. Entsprechend dem Paradigma der sozialen Entwicklung verfügen Sozialarbeiter über ein großes Spektrum an Fertigkeiten, Techniken, Strategien, Grundsätzen und Handlungsmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen des Systems, die auf den Erhalt des Systems und/oder auf Systemänderungen abzielen. Die praktische Soziale Arbeit umfasst eine ganze Reihe an Tätigkeitsfeldern, einschließlich verschiedener Formen der Therapie und Beratung, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit, Formulierung und Analyse von politischen Maßnahmen sowie Fürspracheaktivitäten und politische Interventionen. Aus emanzipatorischer Perspektive, die von dieser Definition unterstützt wird, zielen die Strategien der Sozialen Arbeit darauf ab, die Hoffnung, das Selbstwertgefühl und das kreative Potential der Menschen zu stärken, um repressiven Machtverhältnissen und strukturellen Quellen für Ungerechtigkeiten entgegenzutreten und diese zu bekämpfen und somit die Mikro-Makro-Dimension und die persönlich-politische Dimension der Intervention in einem kohärenten Ganzen zu vereinen. Der ganzheitliche Fokus der Sozialen Arbeit ist ein universeller Grundsatz, die Schwerpunkte der praktischen Sozialen Arbeit variieren jedoch von Land zu Land und von Zeit zu Zeit, je nach den historischen, kulturellen, politischen und sozioökonomischen Bedingungen“ (www.dbsh.de/fileadmin/downloads/2014_DBSH_Dt_ %C3%9Cbersetzung_Kommentar_Def_SozArbeit_02.pdf , S. 4).