Fachtagung 2011

Sozialraumorientierung - Soziale Arbeit im Wandel?

Sozialraumorientierung hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven und viel beachteten Ansatz Sozialer Arbeit entwickelt: ist es nur ein Modewort, das den Trend der Zeit beschreibt?

In der Fachtagung vom 20.05. - 22.05.2011 spürten die TeilnehmerInnen dieser Frage nach. Definitionen, Methoden, Ziele und Professionalität wurden hinterfragt. Auf der Grundlage eines Fachreferates wurde diskutiert, welche Kenntnisse und Grundhaltungen erforderlich sind, um dem Fachkonzept Sozialraumorientierung zu genügen.

Unser Interesse aus der Sicht christlicher Sozialarbeiter/Sozialpädagogen konzentriert sich auf neue Chancen mit der Sozialraumorientierung auf sozialstaatliche Entwicklungen zu reagieren sowie geistliche und ethische Werte zu vermitteln.

 

Regenstaufer Tagung 2009

Ist Solidarität mit den Armen möglich oder muss es heißen Vorrang für die Armen? Die Tagung "Solidarität mit den Armen oder Vorrang für die Armen" ermöglichte ein kritisches Überprüfen dieser Aussagen für den Berufsalltag, egal ob als Haupt- oder Ehrenamtliche.

In das Thema einsteigen bedeutete zunächst Begriffe betrachten und sie mit Inhalten aus der Sozialen Arbeit füllen. Was ist Armut, wer sind die Armen? Solidarität, was heißt dies für mich und meine Arbeit und welche Auswirkung hat sie? Was bedeutet Vorrang für die Armen?

Armut wurde nicht nur wirtschaftlich sondern in der gesamten Breite thematisiert. Armut wurde verstanden als Defizit von sozialen Voraussetzungen, finanziellen Möglichkeiten, körperlicher Gesundheit, geistiger Werteorientierung, um am gesellschaftlichen- und sozialen Leben teilnehmen zu können. D.h., dass das Handlungsprinzip des für jemanden Sorgen, umzudrehen ist, damit der Mensch wieder in den Mittelpunkt der Arbeit rückt und ihm Würde und Ansehen gegeben wird.

Professor Dr. Herbert Haslinger, Paderborn stellte heraus, dass wirkliche Solidarität in der Begegnung mit den Armen, uns zu einem Anderen werden läßt.

Und dass die christliche Qualität der Sozialen Arbeit nicht in etwas besteht, das zu ihrer Praxis hinzukommt, sondern ihr wesentliches Merkmal ist, dass sie an ethischen Maximen Maß nimmt. (Verkündigung durch Taten).

Konkret bedeutet dies, dass die Soziale Arbeit umso mehr dem Anspruch der Christlichkeit gerecht wird, je kompetenter und wirkungsvoller sie geschieht und dadurch dazu beiträgt, dass die Menschen entsprechend ihrer Würde leben können.

Weil Solidarität leicht eine idealistische Überblendung der Realität oder Egalitätsphantasien mit sich bringt und weniger den Blick auf den Vorrang der Bedürftigen bei der Zieldefinition oder die Ungleichheit in Lebensbedingungen oder die unabdingbare Freiwilligkeit sieht, plädierte Prof. Haslinger für die zweite Aussage im Titel der Tagung: Die vorrangige Option für die Armen. Dieser Ausdruck aus der Theologie der Befreiung  wurde mit 11 Thesen am Beispiel einer Geschichte aus dem Neuen Testament „Die Heilung des blinden Bartimäus vor Jericho“ von Prof. Dr. Haslinger dem Auditorium erläutert. Den Menschen in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen, ihn als Subjekt zu sehen und zu begreifen und nicht als Objekt der Handelnden, bildete die Kernaussage.

Mit den Fragen, was bedeuten Armut und Reichtum, Solidarität mit und Vorrang für die Armen wurde am Sonntag die Brücke in den Alltag einer und eines Jeden geschlagen, damit die täglichen Herausforderungen an soziale Arbeit im beruflichen, wie im privaten Orientierung und Inspiration durch diese Tage erfahren können.

Wolfgang Schneider, Koblenz

 

Ethik-Tagung 2009

Soziale Arbeit als Ethische Wissenschaft : „Ethische-Zusammenhänge in den Blick“ rücken

Tutzing  - Professor Dr. Dionys Zink hat vom DBSH gefordert den „sozialpädagogischen Berufsethos“ weiterzuentwickeln. Der Berufsverband sei an Mitgliederzahl zwar nicht stark, doch immerhin organisiere er als einziger die berufspolitisch Interessierten, sagte Zink bei einem Ethik-Seminar in der politischen Akademie Tutzing im Februar.

An der von der Landesarbeitsgemeinschaft christlicher Sozialarbeiterinnen Bayern organisierten Veranstaltung nahmen 21 Sozialarbeiter/innen aus ganz Deutschland teil. Drei Tage diskutierten sie unter dem Motto: „Gerecht werden – Berufsethos der Sozialen Arbeit“. Begleitet wurde das Seminar von drei Referenten: Professor Dr. Thomas Schumacher, Dozent an der Katholischen Stiftungsfachhochschule (KSFH) München, Professor Dr. Klaus Baumann, Dozent an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, sowie Professor em. Dr. Dionys Zink, KSFH München.    

Zink sagte, dass  der Berufsverband, um berufsethisch erfolgreich zu sein, „seine Programme und Öffentlichkeitsarbeit stärker als bisher professionspolitisch“ schärfen  müsse. Der „diskursive Prozess“ sei mit allen Angehörigen des Berufs abzustimmen, sehr „wohl auch mit entsprechenden Positionen im internationalen Berufsfeld.“  „Ein die Sozialberufe verpflichtendes Berufsethos“ brächte eine „Entlastung des Gewissens der in Wert – Norm – Dilemmata … zur Entscheidung Gezwungenen“ (Berufsangehörigen). 
Professor Dr. Klaus Baumann sprach unter anderem über den von der „International Federation of Social-Workers“ entwickelten Ethik-Codex. Sowohl in de Bundesmitgliederversammlung als auch beim Berufskongress des DBSH, im vergangenen Jahr in Köln, wurde eine neue Ethik gefordert, die sich auch am „International Code of Ehtiks“ zu orientieren hat. 
Professor Dr. Schmumacher betonte das „Entwicklungspotential“ für die Soziale Arbeit: „Wenn sich Akteure darüber klar werden, dass ihr berufliches Handeln genau in dem Maß Sozialarbeitshandeln ist, wie sie schlüssig darüber Auskunft geben können, warum eine Maßnahme oder Handlungsziel notwendig sind rücken ethische Zusammenhänge in den Blick.“

Fazit für Referenten und Teilnehmende war, ein Ethos der Sozialen Arbeit müsste Inhalt von Aus –und Fortbildung sein und „Teil des sozialberuflichen Überzeugungsbestands werden“.

Joseph Röhmel, München,
Ulrike Faust, Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Mai 2009

  

Ethik-Tagung 2008

„Gibt es eine Ethik des Alterns?  - Oder : Auseinandersetzung mit der Unverschämtheit einer banalen Tatsache des Lebens!“

Mit dieser Herausforderung eröffnete Johannes Häberlein (Evang. Seelsorger, Diakon, Psychotherapeut und Supervisor, Bad Reichenhall) sein Referat und führte die Zuhörer des Ethiktags der AG Kath. unweigerlich zum Kernpunkt: wie stehe ich zum Altern und Alt sein?

Obwohl Altern das ganze Leben stattfindet, erleben wir eher, dass es sich unverschämt, manches Mal auch beschämend in unser Leben einschleicht. Altern ist ein Werden kein Handeln. Von der Geburt bis zum Tod ist das Leben geprägt von Krisen. Sie sind als notwendiger Durchgang für einen Neuanfang zu sehen. Z.B. nicht mehr können, was man ‘mal konnte anzuerkennen und nicht zu verdrängen. Verlust der Selbstständigkeit führt zur Scham vor anderen und vor sich selbst. Erst wenn man diesem Gefühl Ausdruck und Raum gibt, besteht für einen selbst und sein Umfeld die Möglichkeit, damit angemessen umzugehen, sich selbst wert zu schätzen.

Die Vertreibung aus dem Paradies beschreibt biblisch die Geburtsstunde des Menschen und die Trennung von Gott. Für den Christen bedeutet dies, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern das Vollwerden, die Ewigkeit. Während die Unsterblichkeit ein narzisstischer Wunsch ist, ein bewahrender Zustand ist die Ewigkeit ein paradiesischer Zustand. Gott, Jahwe ist Ewigkeit.

Altern bedeutet also Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und Antworten zu geben auf die Fragen des Lebens, zu sehen was ist und das anzuerkennen. Deshalb kann ich, wenn ich selbst nicht „altere“, andere nicht beim Altern begleiten.

In drei Kleingruppen zu den Schwerpunkten

  • Welche Faktoren unterstützen die Auseinandersetzung mit dem Altern?

  • Bedeutung der Scham für den Umgang mit dem Altern

  • Welche Rituale sind hilfreich?

suchten wir als Sozialpädagog/-innen die Auseinandersetzung. Trotz der unterschiedlichen Aufgaben wurden identische Kriterien für einen guten Umgang mit dem eigenen Altern und der Begleitung von Klienten deutlich, wie positive Vorbilder, Abschied und Loslassen, Alternativen zum Beruf sowie beruflich fachliche Qualifizierung bietet. Eine gelingende „Ethik des Alterns“ braucht das kontinuierliche Ringen sowie die weitere Vertiefung.

Ulrike Faust, Wolfgang Schneider, Nov. 2008