Generation Master - Was der Bologna Prozess für Studenten bedeutet (Verlagstext)

Gemeinsam mit seinen europäischen Nachbarn hat sich Deutschland 1999 in Bologna das Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2010 einen gemeinsamen Hochschulraum zu schaffen. Kernelement ist die Einführung eines gestuften Studiensystems aus Bachelor und Master mit europaweit vergleichbaren Abschlüssen.

Nach nur sechs Semestern kann heute schon an zahlreichen Standorten ein Bachelorabschluss erworben werden - der Absolvent hat damit einen akademischen "Erst"-Abschluss in der Tasche und eine berufliche Qualifikation zugleich. Ob diese Qualifikation an der Universität in Rom oder an der FH in Oslo erworben wurde, soll spätestens ab 2010 nachrangig sein. Denn die Abschlüsse werden dann europaweit vergleichbar und damit gleichwertig sein. Nach einer relativ kurzen Ausbildungsphase stehen die Absolventen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, die für Deutschland typischen langen Studienzeiten gehören - so ein Ziel des Gesetzgebers - der Vergangenheit an.

Möchte sich beispielsweise ein Absolvent mit einem BA in Sozialwesen weiter qualifizieren, so besteht die Möglichkeit, einen Masterstudiengang anzuschließen - direkt oder nach einigen Jahren im Beruf. Die Angebote und Voraussetzungen für Masterstudiengänge sind vielfältig. Während z.B. der Master für Soziale Arbeit in Kassel sehr forschungsorientiert konzipiert wurde und besonders auf eine Promotion vorbereitet, so qualifiziert der Master Konfliktmanagement und Gewaltprävention in Hamburg für die Arbeit in sozialen Brennpunkten. Der Berliner Master für Sozialmanagement vermittelt verstärkt betriebswirtschaftliche Kenntnisse und ist für leitende Positionen unerlässlich; der Master Gerontologie in Cottbus wird von BA-Absolventen angestrebt, die künftig mit älteren Menschen arbeiten möchten. Die Dauer der Masterabschlüsse variiert zwischen einem und zwei Jahren, alle Masterabschlüsse berechtigen zur Promotion.

Mit der Einführung der neuen Abschlüsse wurde zugleich ein neues System zur Zulassung der Studiengänge geschaffen. So genannte Akkreditierungsagenturen prüfen die Qualität eines Studienganges und schätzen die Relevanz für den Arbeitsmarkt ein. In diesen Agenturen wirken neben Hochschullehrern und Studierenden auch Berufspraktiker mit, um die Marktfähigkeit eines Angebotes zu begutachten. Eine erfolgreiche Akkreditierung gilt für fünf Jahre, anschließend wird erneut geprüft. In Deutschland entscheiden zusätzlich zu den Agenturen die Kultusministerien der Länder, ob ein Studiengang in die Strukturvorgaben eines Bundeslandes passt und mit den jeweiligen länderspezifischen Planungen einher geht. Für Studiengänge im Bereich der Sozialen Arbeit bieten derzeit vier Agenturen ihre Dienste an.

Mit der Umstellung auf Bachelor und Master sind große Hoffnungen für die Profession der Sozialen Arbeit verbunden, einige positive Folgen liegen auf der Hand:

  • Ein Absolvent kann seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit einem spezialisierten Master- abschluss verbessern.

  • Durch eine berufliche Spezialisierung wird Qualität in den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit gesichert und weiterentwickelt.

  • Unter den vielfältigen Angeboten kann sich ein Absolvent den Master auswählen, der einen beruflichen Aufstieg ermöglicht.

    Und doch bleibt bei aller Euphorie eine Portion Skepsis. Denn so einfach ist die Umstellung in der Praxis nicht. Noch ist nicht geklärt, wie sich Studiengänge an Fachhochschulen im Vergleich zu denen an Universitäten entwickeln. Ist der Master an einer FH tatsächlich dem an der Universität ebenbürtig? Werden Absolventen, die einen Master an einer Fachhochschule erworben haben, genauso leicht zur Promotion zugelassen wie Kommilitonen, die ihren Master an einer Universität erworben haben? Sind die eingeführten Module wirklich von Standort zu Standort vergleichbar? Wie reagiert der Markt auf die Absolventen? Werden künftig Absolventen mit einem Bachelor schlecht(er) bezahlt, weil sie nicht auf spezielle Tätigkeiten vorbereitet wurden? Einige der Masterstudiengänge sind kostenintensiv: Müssen Absolventen künftig für eine solide Ausbildung tief in die Tasche greifen?
    Die Zukunft wird zeigen, ob all die hochgesteckten Ziele auf Dauer erfüllt werden können.

    Ob nun im Hohen Norden oder am Bodensee – Wilfried Nodes hat die mehr als 100 für die Soziale Arbeit relevanten Masterstudiengänge in Deutschland in übersichtlicher Form zusammengestellt. Studierende mit einem Bachelor-Abschluss oder einem Diplom können mit Masterabschlüssen wie Sozialmanagement, European Social Work, Systemische Sozialarbeit, Public Health, Klinische Sozialarbeit, Mediation oder Sozialgerontologie eine Zusatzqualifikation erwerben und ihre Berufschancen deutlich verbessern.

    Deutscher Bundesverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) (Hg.), Masterstudiengänge für die Soziale Arbeit Ein Studienführer, verfasst von Wilfried Nodes 2007. 169 Seiten. (978-3-497-01910-6) kt [D] 19.90 Euro

    Übersicht Studienangebot

    Eine aktuelle Übersicht über das Studienangebot Master Soziale Arbeit sowie weiterer gesundheitsbezogener Berufe finden Sie auf der Seite "Gesundheit-studieren" aufgelistet:

    Studienübersicht Master Soziale Arbeit